Zahnarzthelfer/in werden: Ausbildungsfakten

Als Zahnarzthelfer/in in Österreich hast Du viel mit Menschen zu tun. Sehr oft sind Kinder Patienten. Deshalb ist es wichtig, dass Du über die nötige Sensibilität verfügst. Du solltest viel Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen. Kinder brauchen besonders viel Zuwendung, wenn sie Schmerzen oder Angst haben.

Zu den Voraussetzungen für die Zulassung zum Lehrgang am Zahnärztlichen Fortbildungsinstitut (ZAFI)der Zahnärztekammer gehören:

  • Die erfolgreiche Absolvierung der 9. Schulstufe oder die Pflichtschulabschluss-Prüfung gemäß Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetz, BGBl. I Nr. 72/2012.
  • Das Vorliegen eines Dienstverhältnisses einschließlich Einverständniserklärung des Dienstgebers/der Dienstgeberin für die Aufnahme in den Lehrgang.
  • Die zur Berufsausübung erforderliche gesundheitliche Eignung.
  • Die zur Berufsausübung erforderliche Vertrauenswürdigkeit.

 

Bei der Ausbildung zum Zahnarzthelfer handelt es sich um ein duales Ausbildungsprogramm. Du arbeitest in einer Zahnarztpraxis. Dort lernst Du in 3.000 Arbeitsstunden die praktischen Fähigkeiten für diesen Beruf. Darüber hinaus besuchst Du 600 Stunden die Schule, um die theoretischen Grundlagen zu erlernen. Diese Schulung dauert 3 Jahre und schließt mit der Prüfung „zur/zum Zahnärztlichen AssistentIn“ vor der Kommission der Zahnärztekammer ab.

Je nachdem, an welchem Institut Du Deine theoretischen Kenntnisse erwirbst und wie Dein Dienstverhältnis in der Ordination (24 Wochenstunden oder mehr) aussieht, dauert die Schulung 2 bis 3 Jahre. Dies hängt vor allem von der Organisation der Schule ab. Zur Prüfung selbst wirst Du von Deinem Arbeitgeber angemeldet. Die Kosten trägt der Dienstgeber.

Die Zulassung zur theoretischen Schulung erfolgt erst nach bestandenem Aufnahmetest sowie einer mindestens sechsmonatigen Praxis in der Zahnarztordination, in der Du arbeiten wirst. Das Aufnahmeverfahren findet in zwei Schritten statt. Sprachverständnis und die soziale Kompetenz werden getestet. Die Kurskosten betragen insgesamt inklusive der Gebühr für die Abschlussprüfung 4.160 Euro. Die Lehrmittelgebühr beträgt 200 Euro und ist im 1. Semester zu bezahlen.

Darüber hinaus gibt es den neuen Lehrberuf „Zahnärztliche Fachassistenz“ an der Universitätszahnklinik Wien (Praxisteil).
Daneben wird der dazugehörige theoretische Teil an der Landesberufsschule für Zahntechnik in Wien absolviert.

Grundvoraussetzung ist ebenfalls ein positiver Pflichtschulabschluss. Die Dauer beträgt 3 Jahre

 

Was gehört zum Berufsbild des Zahnarzthelfers in Österreich?

  • Die Betreuung von PatientInnen vor, während und nach der zahnärztlichen Behandlung.
  • Die Erläuterung der Mundhygiene und der Maßnahmen zur Prophylaxe.
  • Die Assistenz bei konservierenden, chirurgischen, prothetischen, parodontologischen und kieferorthopädischen Behandlungen.
  • Das Anfertigen von Röntgenaufnahmen.
  • Die Abrechnung der erbrachten zahnärztlichen Leistungen mit den PatientInnen, privaten Versicherungen und Sozialversicherungsträgern.
  • Die Anwendung von Hygienemaßnahmen.
  • Die Organisation des täglichen Praxisablaufes und der Terminplanung.
  • Die Durchführung von administrativen Aufgaben wie PatientInnenenverwaltung, Schriftverkehr und Zahlungsverkehr.

 

Berufs- und Zukunftschancen als Zahnarzthelfer/in

Im medizinischen Bereich herrscht fast immer große Nachfrage. Gute Kräfte sind auch hier immer gerne gesehen. Durch Kurse kannst Du Dir hier rasch Spezialkenntnisse aneignen, die erstens das Gehalt aufbessern und Dich zweitens auch beruflich weiterbringen (z. B. Prophylaxe, Mundhygiene, Zahntechnik, etc.). Eine Möglichkeit ist, nach einigen Berufsjahren, zu unterrichten. Der medizinische Dienst des österreichischen Bundesheeres verfügt natürlich auch über Zahnärzte. Auch hier gibt es Einsatzmöglichkeiten.

VORSICHT! Hier gibt es besondere Voraussetzungen zu beachten. Natürlich kannst Du nach ein paar Dienstjahren auch ein Studium der Zahnmedizin beginnen. Auch hier wird Dir einiges an Vorkenntnissen angerechnet. Zahnärzte und auch Assistenten werden immer gesucht. Nach einigen Dienstjahren besteht die Möglichkeit des Auslandeinsatzes entweder beim Internationalen Roten Kreuz oder beim österreichischen Bundesheer.

 

Werde ich als Zahnarzthelfer/in reich?

Das Einstiegsgehalt beträgt laut österreichischem Kollektivvertrag zwischen 1.300 und 1.420 Euro. Das ist für österreichische Verhältnisse ein gutes Anfangsgehalt. Durch Spezialkurse kann dieses jedoch gesteigert werden (z. B. Mundhygiene, etc.).

Wer den Job gerne macht, ist schon „reich“.

 

Werde ich als Zahnarzthelfer/in glücklich?

Deine Arbeitszeiten als Zahnarzthelfer in Österreich richten sich nach den Praxiszeiten. Du kannst Deine Freizeit daher gut einteilen. Es gibt den zahnärztlichen Notdienst, der meistens einmal im Monat zu verrichten ist. Der Kontakt mit Menschen kann sehr bereichernd sein. Du sorgst dafür, dass Deine Patienten keine Schmerzen oder Angst mehr haben. Du hilfst ihnen in einem Augenblick, in dem es ihnen nicht so toll geht. Das gibt ein gutes Gefühl. Die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich. Oft verursacht Langeweile mehr „Stress“ als viel Arbeit. Die Work-Life-Balance ist also gut und machbar.

 

Zielgruppe der Schulung zum Zahnarzthelfer/in?

Der Beruf des Zahnarzthelfers ist ideal für Menschen, die gerne viel direkten Kontakt mit anderen haben und für die „Technik“ kein Fremdwort ist. Menschen mit medizinischen Vorkenntnissen eignen sich natürlich auch für diesen Beruf. Daher richtet sich das Angebot auch an Kandidaten aus anderen medizinischen Bereichen und Berufen.

 

Inhalte der Schulung zum Zahnarzthelfer/zur Zahnarzthelferin

Die Schulung ist sehr umfangreich und beinhaltet nachstehende Stoffgebiete:

  • Berufsspezifische Rechtsgrundlagen: Einführung in das Gesundheitsrecht, Grundzüge des Arbeits- und Sozialrechts,
  • Erste Hilfe und Arbeitsschutz,
  • Allgemeine und zahnspezifische Anatomie, Histologie und Physiologie,
  • Pathologie des stomatognathen Systems,
  • Kieferorthopädie,
  • Parodontologie und Prophylaxe,
  • Hygiene, Mikrobiologie, Umweltschutz,
  • Physik und Biochemie,
  • Einführung in die Pharmakologie,
  • Berufskunde und Berufsethik,
  • Angewandte Psychologie und Kommunikation,
  • Administration und Organisation (Rechnungswesen, Schriftverkehr und Praxisorganisation, Abrechnung mit Sozialversicherung)
  • Röntgen und Strahlenschutz,
  • Instrumenten-, Geräte- und Materialienkunde,
  • Konservierende Zahnheilkunde,
  • Prothetische Zahnheilkunde,
  • Zahnärztliche Chirurgie sowie
  • Praktische Übungen: Prothetische Zahnheilkunde, Prophylaxe.

 

Zusammenfassung der einzelnen Ausbildungsphasen:

Die Ausbildungsphasen des Zahnarzthelfers in Österreich entsprechen jenen der Ausbildungsjahre:

A) Im ersten Lehrjahr werden sowohl die medizinischen (Anatomie, etc.), technischen (Geräte, Instrumente) als auch administrativen Grundlagen (Hygienevorschriften, Schriftverkehr, Terminvereinbarung, Buchhaltung, etc.) des Berufs sowie der Umgang mit den Patienten vermittelt.

B) Im zweiten Lehrjahr werden die Kenntnisse vertieft. Du darfst dann schon einige kleinere Untersuchungen, Vorarbeiten selbst durchführen (Mundhygiene, Prophylaxe, etc.).

C) Im dritten Lehrjahr darfst Du eigenständig Röntgenaufnahmen und Voruntersuchungen sowie Labortätigkeiten durchführen.

 

Tipps zur Bewerbung für die Schulung zum Zahnarzthelfer/zur Zahnarzthelferin

Hier spielt vor allem die soziale Kompetenz eine große Rolle. Der Umgang mit Menschen, die meistens Schmerzen haben. Bei Kindern ist ein besonders gutes Einfühlungsvermögen nötig. Darüber hinaus spielen Technikkenntnisse eine weitere wichtige Rolle im Alltagsleben einer Zahnarztpraxis. Es ist daher von Vorteil, wenn Du hier schon einige Vorkenntnisse nachweisen könntest. Beweise, dass Du gut mit Menschen umgehen kannst. Vielleicht hast Du schon einmal im Kundendienst gearbeitet oder in einer Notaufnahme. Besteht die Möglichkeit, dass Du Dir Vorkenntnisse durch ein Praktikum bei einem Verwandten oder Bekannten aneignest? Manchen Praxen bieten Kurzpraktika an. Dies sind Möglichkeiten, um an vorzeigbare Vorkenntnisse zu kommen.

 

Welche Firmen bieten diese Schulung an?

Zahnarztpraxen, die Universitätszahnklinik Wien sowie alle Zahnkliniken.

 

Fernstudium zum Zahnarzthelfer/zur Zahnarzthelferin

Für diesen Beruf gibt es leider dieser Form nicht in Österreich.

 

Umschulung zum Zahnarzthelfer/zur Zahnarzthelferin

Wer die Lehre zur Bürokauffrau/zum Bürokaufmann oder zur Zahntechnikerin begonnen hat und zur „Zahnärztlichen Fachassistenz“ wechseln möchte, bekommt das erste Lehrjahr zur Gänze angerechnet. Diese erfolgt ebenfalls an der Universitätszahnklinik Wien sowie an der Landesberufsschule für Zahntechnik Wien (siehe Ausbildung).

 

Welche Firmen bieten die Schulung zum Zahnarzthelfer an?

Alle Zahnärzte, Zahnkliniken sowie die Universitätszahnklinik Wien.

 

Andere Möglichkeiten: Quereinsteiger oder Studium

Quereinsteiger aus Berufen mit direktem Kontakt zu Kunden oder aus anderen medizinischen Bereichen haben natürlich gute Chancen. Für angehende Zahnärzte ist das ein guter Weg, in den gewünschten Beruf „hineinzuwachsen“. Zahntechniker wünschen sich oft mehr direkten Kontakt mit ihren Patienten. Diese wechseln dann auch zur Assistenz. Manchmal wechseln auch Röntgenassistenten oder Ordinationshilfen aus anderen Bereichen in diese Richtung.