Ausbildung zum Fluglotsen: Ausbildungsfakten

Fluglotsen/Fluglotsinnen tragen nach ihrer Ausbildung eine große Verantwortung für eine große Anzahl von Menschen in der Luft und am Boden in Österreich und weltweit.
Zu den Voraussetzungen zählen neben der Matura oder Berufsreifeprüfung, bei Männern der abgeleistete Militär- oder Zivildienst, ein positiv abgelegter Eignungstest sowie ein medizinischer Check-up. Der Test dauert ca. 9 Stunden. Wer den Eignungstest nicht schafft, kann kein zweites Mal antreten. Wurde der Eignungstest an einem anderen Standort nicht geschafft, ist es auch nicht möglich, diesen an einer anderen Austro-Control Zentrale zu wiederholen. Es gibt keine Altersobergrenze (Pensionsantrittsalter liegt bei 55-60 Jahren!).

Sehr gute Deutsch- und gute Englischkenntnisse sowie „Multitasking“ sind ein unbedingtes Muss. Weiters ist es unumgänglich, sowohl Alphatier als auch Teamplayer zu sein. Ein gutes, räumliches Vorstellungsvermögen, gute Merk- und Konzentrationsfähigkeit, Stressresistenz sowie die Fähigkeit, sich rasch einen Überblick über eine Situation verschaffen zu können, sind in diesem Beruf essenziel. Gutes Hör- und Sehvermögen ist ebenfalls wichtig und ist daher Teil des medizinischen Tests.

 

Für alle Kandidaten aus Nicht-EU-Ländern gelten zusätzliche Voraussetzungen:

  • Eine aufrechte unbefristete Arbeitserlaubnis,
  • Die Anerkennung des gleichwertigen Schulabschlusses,
  • Der Nachweis über Kenntnisse der deutschen Sprache auf Level C2 sowie
  • Die Bescheinigung, dass keine noch offene Wehr- oder Zivildienstverpflichtung besteht.

 

Es fallen viele Überstunden, Wochenend- und Freizeitstunden an. Wenn Du lernbereit, fleißig, aufmerksam, umgänglich und digital gut unterwegs bist, ist das genau Dein Traumberuf! Die Schulung wird von Austro-Control bezahlt. Während dieser Zeit verdient der „Trainee“ schon relativ gut.

 

Berufs- und Zukunftschancen als Fluglotse/Fluglotsin in Österreich

Die Zuteilung, wo Du Dienst versehen wirst, hängt von den freien Stellen ab. Hast Du die Schulung erfolgreich hinter Dich gebracht, stehen Dir eine Reihe von Möglichkeiten im Rahmen Deiner neuen offiziellen Lizenz (ATCO License) offen. Es gibt drei Einsatzbereiche für den „neuen“ Controller.

A) Area Control Center (ACC)
B) Approach (APP)
C) Tower (TWR)

Im Area Control Center (ACC) kontrollierst Du zusammen mit einem Kollegen einen Sektor. Das betrifft alle Flüge in sehr großen Höhen. Dabei handelt es sich vor allem um internationale Flüge.

Im Approach (APP) wird die Anflugsequenz erstellt. Du führst die Flugzeuge sicher auf eine der vielen „Flugstraßen“ im An- und Abflugbereich des Flughafens bis diese sicher an den Tower übergeben werden können. Du kontrollierst praktisch die „Kreuzung Flughafen“.

Im Tower (TWR) bist Du nicht nur für die Landungen und Starts verantwortlich, sondern auch für die Bewegungen der Fahrzeuge und Luftfahrzeuge am Flughafen selbst. Im Tower erfolgt die Erteilung zum Start der Triebwerke, die Rollerlaubnis für das Flugfeld, die Startgenehmigung sowie die Anweisungen für die zu fliegende Flugroute. Nach ca. 3 Jahren Dienst hast Du die Möglichkeit, in den Ausbilderdienst zu wechseln. Das ist natürlich mit einer Gehaltserhöhung verbunden (ca. 400 – 500 Euro). ACC, APP und TWR werden auch Units genannt.

Hast Du schon einige Jahre gearbeitet, kannst Du jederzeit an einen anderen Flughafen wechseln. Dann musst Du allerdings die Spezialausbildung für diesen neuen Arbeitsplatz durchlaufen. Die nächsten Karriereschritte wären Supervisor (Schichtleiter), Leiter der ACC, des APP oder des Towers. Im Ausbilderdienst bestehen ebenfalls Karrieremöglichkeiten innerhalb der einzelnen Ausbildungsbereiche.

Die Fluglotsenausbildung bildet aber auch eine gute Basis zur Pilotenausbildung (Privatflugzeuge, Linienflugzeuge, etc). Viele Fluglotsen besitzen den Pilotenschein für Privatflugzeuge. Die Schulung und der Dienst des Fluglotsen/der Fluglotsin verkürzen die Pilotenausbildung (Vorsicht! Der medizinische Check für Piloten ist strenger als jener für Fluglotsen.

Fluglotsen werden auch im österreichischen Rettungsflugdienst „Christophorus“ Flugrettung des ÖAMTC benötigt. Eine weitere Möglichkeit wäre der Dienst als Fluglotse/Fluglotsin beim österreichischen Bundesheer (siehe besondere Voraussetzungen: Staatsbürgerschaft, Nachholen der Grundausbildung des Bundesheeres, Militärakademie, Zusatzausbildungen für spezielle Militärbasen, etc.).

 

Werde ich als Fluglotse/Fluglotsin reich?

Schon während der Grundausbildung bekommst Du ca. 1.400 Euro. Als „fertiger“ Fluglotse liegt das Gehalt bei ca. 3.300 Euro netto. Durch Wochenend- und Feiertagsdienste bzw. Überstunden kann das Gehalt bis zu 5.000 Euro pro Monat betragen. Das Gehalt ist der Verantwortung und Leistung angemessen. Der Aufstieg zum Trainer z. B. bringt nochmals zwischen 400 und 500 Euro mehr pro Monat.

 

Werde ich als Fluglotse/Fluglotsin glücklich?

Ständige Weiterbildung wird vorausgesetzt. Da der Job sehr stressig ist, solltest Du für den nötigen Stressabbau sorgen. Austro-Control bietet zusätzliche Leistungen für die Mitarbeiter. Das Unternehmen verfügt über ein Vorsorgeprogramm, Kuren, Vergünstigungen, wie z. B. Reisen, Fitnesscenter, eigene Fußballmannschaft, etc. Pausen während der Arbeit sind verpflichtend. Das Aufgabengebiet ist vielfältig, abwechslungsreich und interessant. Deine Leistung wird durch entsprechende Bezahlung und Karrieremöglichkeiten honoriert. Du hast täglich mit vielen Menschen direkten Kontakt. Du leistest einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit.

 

Zielgruppe der Schulung zum Fluglotsen/zur Fluglotsin

Diese zielt auf Maturanten, Studienabbrecher oder Akademiker ab. Die erfolgreich abgelegte Berufsreifeprüfung wird ebenfalls anerkannt. Wie vorab schon erwähnt, geht es vor allem um Menschen mit technischer Affinität, sehr gutem Deutsch, gutem Englisch, hohem Verantwortungsbewusstsein, schneller Auffassungs- und Reaktionsgabe sowie Lernbereitschaft. Technisches Verständnis wird vorausgesetzt. Bist Du noch dazu Teamplayer und Alphatier in einer Person, dann bist Du hier gerade richtig!

 

Inhalte der Schulung zum Fluglotsen/zur Fluglotsin

Nach dem Aufnahmeprozedere findet zunächst die Grundausbildung bei Austro-Control statt. Diese dauert drei Jahre. Danach folgt die Spezialausbildung für den jeweiligen Arbeitsplatz. Das sogenannte „Rating“ berechtigt Dich, nur an diesem Standort als Flugloste/Fluglotsin zu arbeiten. Die wirkliche Arbeitswelt dieses Berufs lernst Du erst im Flugsimulator und dann in der Praxis kennen. Die einzige andere Möglichkeit, sich zum Fluglotsen ausbilden zu lassen, ist beim österreichischen Bundesheer. Grundvoraussetzung ist der Besuch der Militärakademie Wiener Neustadt. Die Flugkontrolle des österreichischen Bundesheers ist ebenfalls bei Austro-Control eingerichtet. Der militärische Flugbetrieb läuft separat zum zivilen ab. Beide Systeme nutzen aber den gleichen Luftraum.

 

Zusammenfassung der einzelnen Ausbildungsphasen:

  • Der Basiskurs dauert 16 Wochen und umfasst das Kennenlernen der Grundelemente der Luftfahrt und Flugverkehrskontrolle.

 

Hier ein kleiner Einblick in die Technik, die Dein tägliches Handwerk begleiten wird:

„Surveillance“ bedeutet Überwachung/Ortung am Boden und in der Luft. Dabei bedienst Du Dich eines Mix aus klassischen Radarsystemen, dem modernen MODE S (Mode Selektive) Radaranlagen, der ADS-B (Automatic Dependent Surveillance – Broadcast) und der Multilateration. Letzteres kommt in jener Umgebung zum Einsatz, wo herkömmliches Radar nicht möglich ist. Diese Technik ermittelt die Position des Flugzeuges mit Hilfe eines Transpondersignals. ILS (Instrumentenlandesystem) erlaubt dem Piloten auch bei „Null Sicht“! zu landen. Das Bordinstrument ist das Gegenstück zum ILS am Boden.

  • Neben grundlegender Theorie werden auch einfache Simulationen (Sprechfunk, Radar und Tower) geübt.
  • Betriebsverfahren und Rechtsvorschriften gehören zu den Basics.
  • Ohne entsprechende Kenntnisse über Navigation und Meteorologie geht im Flugverkehr gar nichts!
  • Ohne die wichtigsten technischen Hintergrundinformationen über ein Flugzeug kannst Du im Ernstfall dem Piloten nicht helfen. Es ist unbedingt erforderlich, zu wissen, welche Manöver ein Flugzeug durchführen kann und welche nicht.
  • Unumgänglich ist das richtige technische Handwerkszeug, die Flugsicherungssysteme. Hier lernst Du, wie Radar und Funk funktionieren, aber auch warum Flugzeuge, Blitze, Wolken, aber keine Vögel am Bildschirm sichtbar sind.
  • Danach folgt der spezifisch österreichische 11-wöchige Kursteil. Dieser besteht aus speziell österreichischen Vorschriften sowie komplexeren Simulationen.
  • Dieser Abschnitt umfasst österreichische Luftfahrtgesetze sowie Kenntnisse über österreichische Flugpläne, Flugplätze und natürlich alles über „fliegende“ Rettungseinsätze.
  • In diesem Kursteil legst Du auch das Sprechfunkzeugnis bei der Fernmeldebehörde ab. Die Vorbereitung dazu erfolgt bei Austro-Control.
  • Luftfahrtenglisch mit seinen besonderen Anforderungen ist ebenfalls Ausbildungsinhalt dieses Kursabschnitts.
  • Ein Großteil der Tätigkeit besteht aus Weiterleitung von Informationen an die Piloten, Behörden, Kollegen, etc. Die Arbeit des Fluginformationsdienstes wird in diesem Abschnitt vermittelt.
  • In einfachen Kontrollsimulationen wird das theoretisch erworbene Wissen praktisch getestet.
  • Der Terminal/En Route Course ist jetzt an der Reihe und dauert 30 oder 45 Wochen je nach vorgesehenem Einsatzgebiet (ACC, APP, TWR).
  • Danach folgt ein weiterer kurzer 5-wöchiger Theoriekurs zur Anflug- und Flugplatzkontrolle. Jetzt bist Du bestens für die großen Simulationen gerüstet.
  • Nach einem weiteren 4-wöchigen Kurs wird nur mehr an großen Kontrollsimulatoren gearbeitet, um danach selbstständig am Einsatzort arbeiten zu können.
  • Die Student License berechtigt Dich, im Live-Traffic als Lotse – quasi im Training on the Job – als Lotse eine Schulung zu durchlaufen. Von den internationalen Behörden sind daneben noch ein positiver Medical Check zu durchlaufen und ein fachspezifischer Englischnachweis zu erbringen.
  • Das Unit Training ist der Spezialkurs, der Dich auf Deinen ganz speziellen Einsatzort vorbereitet und dauert 52 Wochen.

 

Tipps zur Bewerbung für die Schulung zum Fluglotsen/zur Fluglotsin

Um einen ersten Eindruck zu bekommen, was ungefähr beim Eignungstest gefragt wird, sieh Dir dies an. Es handelt sich dabei um den entsprechenden deutschen Eignungstest für Fluglotsen/Fluglotsinnen. Der österreichische ist aber ungefähr gleich.

„Der Tag der offenen Tür“ hat sich als praktische Entscheidungshilfe herausgestellt. Austro-Control ist der Arbeitgeber für Flutlotsen/Fluglotsinnen. An diesem Tag findet ein kostenloser Rundgang durch die „Ausbildungsstätte“ mit den typischen Flugbildschirmen, dem Flugsimulator und einer digitalen Simulation eines Flughafens (meist Flughafen Salzburg. W. A. Mozart) statt. Wann genau diese Tage stattfinden, erfährst Du hier.

Hilfreich ist es, in der Bewerbung technische Praktika, Auslandsaufenthalte oder spezielle Sprachkenntnisse anzuführen. Informatikzeugnisse über Spezialkurse sind ebenfalls sehr nützlich. Hast Du schon Funkerfahrung oder gar eine Lizenz (HTL, TGM, Studium, Freizeit, etc.)? Mathematik und Physik sind die wichtigsten Grundlagen, daher ist es äußerst vorteilhaft, in diesen Fächern gute Noten vorweisen zu können.

 

Welche Firmen bieten diese Schulung an?

Da die Schulung zum Fluglotsen/zur Fluglotsin in Österreich eine staatliche ist, wird diese nur bei

und beim

angeboten.

 

Fernstudium zum Fluglotsen/zur Fluglotsin

Dieser Beruf kann nicht in dieser Form erlernt werden. Da es sich dabei um eine staatliche, international anerkannte Schulung handelt, kann diese nur bei Austro-Control durchlaufen werden. Der einzige Beruf, der am Rande mit diesem zu tun hat, ist der des Piloten. Den Wechsel zum Beruf des Piloten führen alle Airlines sowie das österreichische Bundesheer durch, wobei die gesamte Fluglotsenausbildung angerechnet wird.

 

Berufswechsel zum Fluglotsen/zur Fluglotsin

HTL- Absolventen (Höhere Technische Lehranstalt) der Fachrichtungen Fernmeldetechnik, Informatik, Elektrotechnik, etc. oder des TGM (Technisches Gymnasium) sowie technische Studienrichtungen haben gute Chancen. In manchen Bereichen werden erworbene Kenntnisse angerechnet (z. B. Funklizenz). Berufswechsel sind prinzipiell auch aus anderen Berufen, die auf einer Matura basieren, möglich. Alle anderen Voraussetzungen müssen natürlich ebenfalls erfüllt sein.

 

Welche Firmen bieten diese Schulung an?

Keine wie oben erwähnt, da es sich um eine staatliche Schulung handelt. Die Hauptteile der Fluglotsenausbildung sind jedoch auch Bestandteil jeder Pilotenausbildung.

 

Andere Möglichkeiten: Quereinsteiger oder Studium?

Gute Chancen haben Absolventen der HTL, des TGM, aber auch Studienabbrecher oder Akademiker anderer Fachrichtungen.