Einzelhandelskaufmann/-frau werden: alle Fakten

Sie fehlen an allen Ecken und Enden: Engagierte, gut ausgebildete Einzelhandelskaufleute, die Kunden individuell beraten und zu einer Kaufentscheidung verhelfen.

Grundlegendes zum Beruf des Einzelhandelskaufmanns / der Einzelhandelskauffrau

 

Prinzipiell wird zwischen Groß- und Einzelhandelskaufmann/frau unterschieden. Im Großhandel werden Waren an Großhandelsketten, wie z. B. Lidl, Penny, Merkur, Saturn, etc. verkauft. Wohingegen im Einzelhandel die Produkte direkt an die Endkunden verkauft werden (die Kunden von Lidl, Billa, aber auch Boutiquen und spezialisierte Geschäfte etc.).

Die Schulung zum Einzelhandelskaufmann/zur Einzelhandelskauffrau wird mit Schwerpunktbereichen vermittelt. Schwerpunktbereiche sind Möbel, Kleidung, Elektronik, Maschinen, Lebensmittel, etc. Diese dauert 3 Jahre und ist ein Lehrberuf. Dies bedeutet „Learning by Doing“ und gleichzeitig der Besuch der Berufsschule.

 

Welche Voraussetzungen muss man für eine Lehre im Einzelhandel erfüllen?

Der Ausbildungsberuf des Einzelhändlers ist der optimale Einstieg nach der Schulzeit. Die Erfüllung der 9-jährigen Schulpflicht ist die einzige gesetzliche Voraussetzung. Darüberhinaus haben mache Ausbildungsbetriebe weitere Anforderungen, bspw. Englischkenntnisse.

Darüber hinaus ist die Lehre mit Matura möglich. Diese Matura wird Berufsreifeprüfung genannt (BRP). Im Einzelhandel ist der fachspezifische Teil die „Wirtschaft – kaufmännische Fähigkeiten“, die übrigen Teile bestehen aus Deutsch, Mathematik und Englisch. Diese sind für alle Lehrberufe mit Matura gleich.

 

Welche Schwerpunkte gibt es in der Ausbildung?

Die Lehre der Einzelhandelskaufleute unterscheidet sich in der praktischen Tätigkeit je nach Einsatzort erheblich: Wer sich für den Verkauf von Elektronik ausbilden hat lassen, stößt im Gartencenter oder in der Schmuckabteilung schnell an seine Grenzen. Deswegen sieht der Lehrberuf „Einzelhandel“ mit Schwerpunkt Allgemeiner Einzelhandel weitere 15 speziellere Ausbildungsschwerpunkte vor, unter denen der Auszubildende wählen kann:

  • Baustoffhandel
  • Einrichtungsberatung
  • Eisen- und Hartwaren
  • Elektro-Elektronikberatung
  • Feinkostfachverkauf
  • Gartencenter und Haustierbedarf
  • Kraftfahrzeuge und Ersatzteile
  • Lebensmittelhandel
  • Parfümerie
  • Schuhe
  • Sportartikel
  • Telekommunikation
  • Textilhandel
  • Uhren- und Juwelenberatung

Viele andere Ausbildungsberufe, zB Optiker, Metzgereifachverkäufer usw. haben in den Ausbildungsinhalten eine große Schnittmenge mit der Lehre im Einzelhandel. Jedoch brauch man hier weitergehende, spezialisierte Kenntnisse, die den Besuch spezialisierte Berufsschulen erforderlich machen.

 

Berufs- und Zukunftschancen als Einzelhandelskaufmann / Einzelhandelskauffrau in Österreich

Wenn Du einmal die Schulung hinter Dich gebracht hast, bist Du in vielen Bereichen und Branchen des Handels einsetzbar. Im Handel werden immer Leute gesucht. Die Aufstiegschancen bis hin zum Filialleiter, Gebietsleiter, etc. sind gut. Zwar setzt der vermehrte Online-Handel den Einzelhandel auch in Zukunft unter Druck, jedoch wurde bereits in den Ausbildungsplänen auf diesen Umstand reagiert:

Alle oben genannten Schwerpunkten können mit dem zusätzlichen Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ gekoppelt werden. Dies Zusatzmodul verlängert die Gesamtlehrzeit nicht, geht aber auch die Besonderheiten des Online-Handels ein. Dabei handelt es sich jedoch um einen befristeten Ausbildungsversuch, der bis spätestens 30. Juni 2022 begonnen werden muss. Endet dieser Versuch, kannst Du Deine Lehre samt diesem Zusatz beruhigt zu Ende machen. Die Lehre ist eine duale Ausbildung, im Handelsbetrieb und an der Berufsschule. Sie schließt mit der Abschlussprüfung ab.

 

Werde ich als Einzelhandelskaufmann/Einzelhandelskauffrau in Österreich (Gehaltschancen) reich?

Das Einstiegsgehalt beträgt laut Kollektivvertrag (Stand: Juni 2018) zwischen 1.640 und 1.740 Euro brutto. Der durchschnittliche Verdienst liegt später meist zwischen 1.983 und 2.320 Euro brutto im Monat. Hofer zahlt branchenweit am besten, verlangt aber auch viel von den Lehrlingen. In manchen Branchen bekommst Du, wenn Du selbst etwas kaufen willst, Preisreduktionen auf das Warensortiment und spezielle Angebote. Manche bieten eigene Deals nur für die Mitarbeiter an. Dies gilt insbesondere im Textilhandel.

 

Werde ich als Einzelhandelskaufmann/Einzelhandelskauffrau glücklich? Wie sieht es in Bezug auf die Work-Life-Balance aus?

Der Job im Handel ist sehr fordernd und teilweise stressig, aber auch sehr abwechslungsreich und interessant. Wenn Du Dir einen Bereich aussuchst, der Dich anspricht, z. B. Unterhaltungselektronik, Informatikbereich, etc., dann wirst Du sicher glücklich. Die Aufstiegsmöglichkeiten, die z. B. Hofer bietet, sind sehr gut und vielfältig (Abteilungsleiter, Bezirksleiter, Gebietsleiter, etc.). Im Handel hast Du, vor allem in den Großstädten, Filialen, die auch an Sonntagen und bis 22.00 Uhr geöffnet haben. Dieser Dienst ist sehr fordernd. Dafür werden Überstunden aber auch gut bezahlt. Work-Life-Balance ist auch hier mit ein wenig Organisationsgeschick von Deiner Seite aus zu schaffen. Allerdings musst Du dabei sehr flexibel sein. Im Handel wird meist in Schichten gearbeitet.

 

Das Berufsprofil für den Einzelhandelskaufmann/der Einzelhandelskauffrau mit Schwerpunkt „Allgemeiner Einzelhandel“ sieht wie folgt aus:

  • Der Verkauf von Waren und Dienstleistungen unter Einsatz seiner/ihrer Warenkenntnisse und bietet Serviceleistungen an,
  • Die Entgegennahme und Abwicklung von Bestellungen und KundInnenaufträgen,
  • Die Fähigkeit, die Grundlagen von Garantie und Gewährleistung zu erklären,
  • Die Entgegennahme und Erledigung von Reklamationen,
  • Die Fähigkeit, die Bedeutung einer nachhaltigen, ökologischen Produktion und die Auswirkungen der Globalisierung zu erklären,
  • Die Ermittlung des Warenbedarfs sowie die Mitwirkung bei der Warenbeschaffung,
  • Die Mitwirkung bei der Warenannahme und -kontrolle, die Auszeichnung, Lagerung, Platzierung und Präsentation von Waren.

 

Wer ist die Zielgruppe der Schulung zum Einzelhandelskaufmann/zur Einzelhandelskauffrau?

All jene, die gerne viel Trubel um sich haben, den Kontakt mit Kunden lieben und auch vor der Konfrontation mit schwierigen Problemen nicht zurückschrecken (Kundendienst – Reklamation). Mitarbeiter aus anderen Branchen des Handels sind auch jederzeit willkommen. Studenten, die sich regelmäßig etwas dazu verdienen wollen und aus Fachbereichen kommen – ein zusätzlicher Abschluss ist nie verkehrt!

 

Inhalte und Ablauf der Schulung zum Einzelhandelskaufmann/zur Einzelhandelskauffrau

Die Inhalte behandeln neben fachspezifischen Gebieten, wie z. B. Warenkunde und -präsentation, Marketing, Buchhaltung, digitales Arbeiten (Informatik, spezielle Programme, etc.) etc. auch Recht (Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht, etc.), Psychologie (Umgang mit verschiedenen Menschen, Konfliktmanagement, etc.) auch ökologische Aspekte.

  • Im ersten Ausbildungsjahr werden die Grundlagen der Branche, des jeweiligen Bereichs sowie die alltäglichen Arbeiten im jeweiligen Arbeitsbereich behandelt.
  • Im zweiten Jahr werden diese Kenntnisse vertieft, die Aufgabengebiete erweitert. Du darfst z. B. eigenständig Reklamationen durchführen oder kleinere Aufträge selbst abwickeln.
  • Im dritten Jahr werden die schwierigsten Aufgaben und Tätigkeiten in der jeweiligen Branche behandelt. Die Verantwortung wird merklich ausgedehnt. Du darfst fast selbstständig arbeiten. Die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung steht an.

Bei der Lehre mit Matura legst Du die einzelnen Teilbereiche nacheinander ab. Du kannst selbst bestimmen, ob Du zuerst Mathematik, Deutsch, Englisch oder den kaufmännischen Teil ablegen willst. Diese wird ebenfalls neben der Arbeit im Betrieb abgelegt.

 

Tipps zur Bewerbung für die Schulung zum Einzelhandelskaufmann/zur Einzelhandelskauffrau

Wer im Einzelhandel eine Ausbildung machen möchte, der sollte sich bewusst sein, dass insbesondere der Spass an der Ausbildung bei großen Einzelhandelsketten von Filiale zu Filiale schwanken kann. Deshalb solltest Du Dir eine Filiale aussuchen, die Dir gut gefällt, beobachte das Miteinander der Mitarbeiter (Wirken sie gestresst? Wie ist der Umgangston untereinander?) und frag gerne nach einer freien Lehrstelle in der konkreten Filiale nach. Dies ist leider heutzutage wegen der gewünschten Bewerbung online nicht immer möglich. Beim Vorstellungsgespräch kannst Du aber Deinen Wunsch gerne deponieren. Wenn Du die Gründe für Deine Wahl mit guten Argumenten rüberbringen kannst, stehen Deine Chancen nicht schlecht, dass Du auch in Deiner Wunschfiliale arbeiten kannst.

 

Welche Firmen bieten diese Schulung an?

Alle großen Handelsketten in Österreich (Billa, Hofer, Müller, Merkur, Saturn, IKEA, etc.) suchen Einzelhandelskaufleute. Aber auch spezialisierte Fachgeschäfte suchen oft händeringend nach Auszubildenden. Wer in einer bestimmten Region seine Ausbildung machen möchte, findet über regionale Anzeigenblätter potentielle Ausbildungsbetriebe, ebenso über die großen Online-Jobbörsen.

Alle großen Handelsbetriebe, wie z. B. Hofer, Lidl, Penny, Merkur, Saturn, Leiner, IKEA, etc. bieten diese Schulung selbstverständlich auch an. Über eine Ausbildung bei einer größeren Einzelhandelskette informierst du dich am besten über die Webseite des Unternehmens.

 

Fernunterricht – Einzelhandelskaufmann / zur Einzelhandelskauffrau?

Einzelhandelskaufmann/Einzelhandelskauffrau wird nicht in dieser Form angeboten.

 

Umschulung zum Einzelhandelskaufmann / zur Einzelhandelskauffrau?

Dieser Beruf eignet sich sehr gut als Umschulung für jene, die ihren angestammten Beruf, wie z. B. Elektriker, Tischler, Bautechniker, etc. nicht mehr ausüben können. Sie verfügen über Fachkenntnisse, die hier sehr gefragt sind. Diese werden berücksichtigt und verkürzen daher die Ausbildungsdauer. Ein Wechsel zu diesem Beruf über eine Umschulung ist für jene Menschen möglich, die ihren eigentlichen Beruf aus bestimmten Gründen (Unfall, etc.) nicht mehr ausüben können. Ein Baumaschinenvertreter kann vielleicht nicht mehr so viel durchs Land fahren. Er will lieber, dass die Kunden zu ihm ins Geschäft kommen. Eine Schneiderin kann mit ihren Fingern nicht mehr filigrane Arbeiten durchführen, ist sonst aber noch gut beweglich. Der Verkauf von Kleidung ist für sie das Richtige. Auch hier werden Vorkenntnisse und -ausbildungen angerechnet.

 

Andere Möglichkeiten: Quereinsteiger oder Studium?

Quereinsteiger aus Berufen, die mit dem jeweiligen „Verkaufsgegenstand“ (Lebensmittel, Kleidung, Elektronik, Möbel, etc.) zu tun haben, kommen, werden gerne genommen. Beim Berufswechsel wird der fachspezifische Teil angerechnet (Tischler, Elektriker, etc.). Viele Studenten aus den jeweiligen Teilbereichen (Bau, Elektrotechnik, etc.) arbeiten in diesem Bereich. Kandidaten, die bereits über gute fachliche Vorkenntnisse verfügen, können die Kunden gut beraten. Dies stellt eine der Haupttätigkeiten im Handel.